Mareike Kohlstrung

Lieblingstexte 2018: Mareike schrieb „Urlaub einer guten Freundin“

Wieder ein Jahr mit den 4writern ist um! 2018 war für die Lesebühne aus Unna ein sehr abwechslungsreiches Jahr! Wir erlebten beeindruckende Gästen bei unseren Hauslesen in der Jugendkunstschule in Unna. Auch haben wir in Bergkamen-Rünthe das maritime Thema für uns entdeckt und waren mit der Hafenlese im Liquid-Liberty zu Gast.

In einer Wochen, am 15. Februar, starten wir ins neue Jahr. Bis dahin erscheint hier jede Woche ein Lieblingstext aus dem Jahr 2018. Der vierte ist von Mareike Kohlstrung, vorgetragen im Januar 2018 zum Thema „Vielleichtversprechen“.

Urlaub einer guten Freundin

Und da war sie weg. Winkte mir noch einmal zu und sagte: „Keine Sorge, ich bin Anfang des Jahres wieder da. Spätestens, wenn du wieder arbeiten musst werde ich dich wieder unterstützen.“ „Einen schönen Urlaub“, wünschte ich ihr und lies sie gehen. WOW! 7 Wochen Urlaub hätte ich auch mal gerne. Aber irgendwann muss man ja mal den Kopf ausschalten und sich entspannen. Die Akkus wieder aufladen, die Welt Welt sein lassen. Das Handy aus, kein Internet, kein Chatten, kein TV. Entspannung, Ruhe, ein gutes Buch, Tee, Couch und Decke.
„Ich werde sie vermissen“, dachte ich und ging in meine Wohnung.
Durch Weihnachtstrubel und Silvestervorbereitungen war dann ihre Abwesenheit trauriger Weise doch recht schnell verdrängt. Ich tauchte ein in die Welt des Weihnachtszaubers: Glitzernde Lichter, Tannenbäume, die geschmückt wurden, Teignaschen und Plätzchenduft, Weihnachtslieder im Radio, Weiterbildungsstress und dabei Geschenke suchen. Würden sich alle freuen? Hatte ich das Falsche besorgt? Immer wieder diese Fragen, die sich im Nachhinein als unbegründet herausstellen sollten.
Das Zusammensein mit der Familie war in diesem Jahr besonders schön. Trotz stressiger und enger Terminplanung war Weihnachten so angenehm, wie lange nicht mehr. Gemeinsames Essen, Geschenke verteilen, Entspannen. So muss Weihnachten sein. Nach Weihnachten dann schnell die Wohnung geputzt und alles für Silvester und die Übernachtungsgäste vorbereitet. So schnell kann ein Jahr um sein. Im neuen Jahr entspannt mit einem gemeinsamen Frühstück und schier endlosen Gesprächen mit meinen Freunden gestartet. Die Erste Woche ging schneller rum als gedacht und schon musste ich wieder arbeiten.
„Die Präsentation müssen wir noch fertigmachen, nächste Woche ist ja schon unsere 3-tägige Tagung. Ist da schon alles vorbereitet oder fehlt noch was? Bis Ende dieser Woche muss das stehen, damit wir noch mal gemeinsam drüber gucken können“ Von Ruhepol zum Fähnchen im Wind. Alles gleichzeitig machen und am besten gestern schon erledigt haben. Ne, ist klar.
So unter Strom fiel ihre Abwesenheit gar nicht auf. Bis zu dem Tag, als mich eine Mail erreichte:
„Liebe 4writer, am 26.01. ist es so weit. Das neue Jahr beginnt und unser erster Auftritt steht an. Bitte schickt mir doch eure Texte, damit wir einen Ablauf erstellen können.“
Vollkommen versteinert starrte ich auf das Display meines Handys. Mist. Noch eine Woche bis zum Termin und noch kein Text da. Was zum…!!
Mooment!!! Hatte sie nicht gesagt, sie wollte bis zum Beginn meiner Arbeit wieder da sein? Ich arbeite seit zwei Wochen wieder und habe noch keinen Mucks gehört! Was soll das denn? Das grenzt an Arbeitsverweigerung!
Beleidigt schnaube ich vor mich hin. Wo ist sie nur? Sie hatte versprochen pünktlich wieder da zu sein und mich zu unterstützen. Traurig und enttäuscht saß ich vor einem leeren Blatt Papier und kritzelte auf dem Seitenrand herum.
DA! Eine dampfende Tasse Entspannungstee, ein Keks, ein entschuldigender Blick. „Es tut mir leid, dass ich so spät bin“, sagt sie und blickt auf ihre noch gepackten Urlaubskoffer. „Ich konnte mich einfach nicht überwinden los zu fahren. Und dann hatte ich Angst, dass du mit mir schimpfen würdest.“
Das nahm mir jeden Wind aus den Segeln.
„Ich versteh dich doch. Urlaub ist toll, aber ich habe deine Hilfe dringend nötig! Guck mal auf den Kalender! Morgen ist unser Event und ich habe noch nicht einen Satz auf dem Papier. Mit meinem leeren Zettel brauche ich erst gar nicht auftauchen…“
„Na, dann legen wir mal lieber los, damit wir uns nicht blamieren“ Glücklich zückte ich Stift und Papier und legte los. Die Wörter sprudelten nur so aus meinem Kopf in meine Hand. Ich habe sei wieder. Ich bin so glücklich. Da ist sie wieder, meine Inspiration.

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